Shelly mit Home Assistant – smarte Schalter ohne Cloud

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SHELLY MIT HOME ASSISTANT – SMARTE SCHALTER OHNE CLOUD


Blauer Shelly-Aktor neben einem weißen Lichtschalter

Unsichtbar hinter dem Schalter: das Haus wird smart, die Bedienung bleibt

Kurz gesagt: Was bringt Shelly mit Home Assistant?

Die Kurzfassung zu Shelly mit Home Assistant:

  • Das Prinzip: Die kleinen Relais verschwinden in der Unterputzdose hinter dem vorhandenen Lichtschalter. An der Wand ändert sich nichts – App, Automation und Sprachbefehl kommen zusätzlich dazu.
  • Lokal statt Cloud: Home Assistant spricht die Geräte direkt im Heimnetz an. Die Shelly-Cloud darf ausgeschaltet bleiben, und die Beleuchtung funktioniert auch dann, wenn das Internet ausfällt.
  • Einrichtung in Minuten: Die Shelly-Integration unterstützt laut Dokumentation alle vier Gerätegenerationen und meldet neue Geräte von selbst. Bestätigen, Raum zuweisen, fertig – MQTT ist nur eine Option, kein Muss.
  • Messwerte inklusive: Alle Modelle mit dem Kürzel PM liefern Momentanleistung und Verbrauch je Kanal. Diese Werte landen direkt im Energie-Dashboard.
  • Die Elektrik-Regel: Unterputzarbeit gehört in geübte Hände oder zum Elektriker. Wer nicht an 230 Volt schrauben will, fängt mit einer smarten Steckdose an und lernt dieselben Automationen risikofrei.
  • Die Grenze des Konzepts: WLAN heißt Dauerstrom und eine IP-Adresse je Gerät. Batteriebetriebene Taster und Sensoren deckt Shelly deshalb über die Bluetooth-Reihe BLU ab, nicht über WLAN.

Warum ausgerechnet Shelly? Das Konzept hinter den Relais

Die meisten Smart-Home-Produkte verlangen, dass man die Bedienung des Hauses umbaut: neue Schalter, neue Leuchtmittel, neue Gewohnheiten. Shelly geht den umgekehrten Weg. Ein Shelly-Relais ist ein Würfel von etwa vier Zentimetern Kantenlänge, der in die vorhandene Unterputzdose hinter den bestehenden Schalter gesetzt wird. Danach hängt die Lampe elektrisch am Relais, und der Wandschalter wird nur noch zum Eingangssignal für dieses Relais. Von außen sieht niemand einen Unterschied, aber jeder Schaltvorgang ist jetzt eine Information, die Home Assistant lesen und selbst auslösen kann.

Genau darin liegt der Vorteil gegenüber smarten Leuchtmitteln. Eine funkgesteuerte Glühbirne ist stromlos, sobald jemand den Wandschalter betätigt – und dann hilft auch keine Automation mehr. Beim Relais bleibt die Leitung immer unter Spannung, die Wandbedienung funktioniert weiter wie gewohnt, und das System kennt jederzeit den echten Zustand. Besuch, Kinder und Menschen ohne Interesse an Technik merken schlicht nichts von der Umrüstung. Das ist der Grund, warum sich diese Bauform im Bestand durchgesetzt hat, während smarte Lampen vor allem dort punkten, wo Farbe und Dimmung wichtiger sind als der Schalter.

Technisch sind die Geräte reine WLAN-Teilnehmer im 2,4-GHz-Band mit eigener Weboberfläche. Sie brauchen keinen Hersteller-Hub, keine Bridge und keinen Koordinator-Stick – ein Punkt, der den Einstieg gegenüber Zigbee deutlich verkürzt. Inzwischen unterscheidet der Hersteller vier Generationen: Gen1 mit dem betagten CoIoT-Protokoll, Gen2 und Gen3 mit moderner RPC-Schnittstelle über WebSockets, dazu Gen4 als aktuelle Reihe, die neben WLAN und Bluetooth auch Zigbee beherrscht. Ergänzt wird das Portfolio durch die Wave-Serie für Z-Wave und die batteriebetriebene BLU-Reihe auf Bluetooth-Basis.

Für Home Assistant ist diese Vielfalt weniger dramatisch, als sie klingt: Die offizielle Shelly-Integration deckt Gen1 bis Gen4 ab und übersetzt die Unterschiede im Hintergrund. Nur die BLU-Geräte laufen einen anderen Weg – sie senden im BTHome-Format und werden über die gleichnamige Integration eingebunden, wobei jedes netzbetriebene Shelly ab Gen2 gleichzeitig als Bluetooth-Empfänger für diese Sensoren dienen kann. Damit wächst mit jedem verbauten Relais nebenbei die Bluetooth-Abdeckung im Haus.

Shelly in Home Assistant einbinden – Schritt für Schritt

  1. Sicher arbeiten: Vor dem Öffnen der Dose die Sicherung heraus und Spannungsfreiheit prüfen. Wer sich damit nicht auskennt, holt einen Elektriker – oder greift zur Steckdosenvariante, die ohne Werkzeug auskommt.
  2. Verdrahten: Das Relais braucht Außenleiter und Neutralleiter, der vorhandene Schalter kommt an den Eingang SW, die Lampe an den Ausgang O. Fehlt in der Dose der blaue Neutralleiter, kommt nur eine ausdrücklich dafür vorgesehene Variante infrage.
  3. Ins Heimnetz bringen: Nach dem Einschalten spannt ein neues Gerät ein eigenes WLAN auf. Damit verbinden, im Browser 192.168.33.1 aufrufen und die Zugangsdaten des Heimnetzes eintragen – alternativ übernimmt das die Hersteller-App.
  4. Firmware aktualisieren: Direkt in der Weboberfläche das Update einspielen. Die Integration setzt bei Gen1 mindestens Firmware 1.9 und bei Gen2 mindestens 1.0 voraus; ältere Stände führen zu unvollständigen Geräten in Home Assistant.
  5. Cloud abschalten, feste Adresse vergeben: In den Geräteeinstellungen die Verbindung zur Hersteller-Cloud deaktivieren und im Router eine feste IP reservieren. Beides zusammen macht die Anbindung schnell und ausfallsicher.
  6. In Home Assistant übernehmen: Unter Einstellungen die gefundene Shelly-Meldung bestätigen oder die Integration von Hand hinzufügen und die IP eintragen. Bei alten Gen1-Geräten muss zusätzlich CoIoT aktiviert und als Gegenstelle die Adresse der Home-Assistant-Installation mit Port 5683 hinterlegt werden.
  7. Schaltertyp festlegen: Für klassische Kippschalter den Modus für Wechselschalter wählen, für Taster den Tastmodus. Nur so bleibt die Wandbedienung exakt so, wie alle sie kennen – und Doppelklick oder langes Drücken werden als zusätzliche Auslöser nutzbar.
  8. Automatisieren: Erst jetzt die eigentliche Logik bauen. Zeitpläne, Präsenz und Verbrauchswerte gehören in die Automationen von Home Assistant, nicht in die Shelly-Oberfläche – sonst liegt die Steuerung später an zwei Orten.

Welcher Shelly wofür? Die Modelle im Überblick

ModellAufgabeBesonderheit
1 MiniLicht und einfache VerbraucherWinzig – passt hinter fast jeden Schalter
1PM Miniwie oben, zusätzlich mit MessungWatt und Kilowattstunden je Kanal
2PMRollladen, Markise, zwei LichtkreiseZwei Kanäle, Endlagen über die Leistung erkannt
Dimmerstufenloses Dimmenarbeitet mit dem vorhandenen Taster
Plug SGeräte an der SteckdoseOhne Elektroarbeit, rund 2500 Watt Schaltleistung
Pro 3EMHausanschluss, drei PhasenHutschiene im Zählerschrank, Basis für Überschussladen
BLU-ReiheTaster, Fenster- und BewegungsmelderBatterie und Bluetooth statt WLAN

Für den Einstieg genügt fast immer die Kombination aus einem Messgerät für die Steckdose und einem Relais für die Lieblingslampe. Erst wenn klar ist, welche Automationen im Alltag wirklich genutzt werden, lohnt der Griff zu Rollladen-Aktoren und Dimmern – die sind deutlich aufwendiger zu verdrahten und schwerer rückzubauen.

Native Integration, MQTT oder Matter – welcher Weg ist der richtige?

Es gibt drei Wege, ein Shelly-Gerät mit Home Assistant zu verbinden, und sie schließen sich gegenseitig aus. Wer das nicht weiß, richtet dasselbe Gerät gerne zweimal ein und wundert sich über doppelte Entitäten.

Der Standardweg ist die native Shelly-Integration. Sie erkennt die Geräte automatisch, legt alle Schalter, Sensoren, Temperaturwerte und Firmware-Meldungen als saubere Entitäten an und verwaltet Updates gleich mit. Sie braucht keinen Broker, keine Konfigurationsdatei und keine Vorkenntnisse. Für praktisch jeden Haushalt ist das die richtige Wahl.

Der zweite Weg führt über MQTT. Jedes Gerät ab Gen2 kann seine Zustände selbst an einen Broker melden. Das ist interessant, wenn ohnehin ein Broker läuft, wenn mehrere Systeme dieselben Daten sehen sollen oder wenn ein Shelly-Skript eigene Werte veröffentlicht. Der Preis dafür sind Themenstruktur und Namensgebung von Hand – und die Regel, dass Cloud, native Integration und MQTT nicht gleichzeitig aktiv sein sollten.

Der dritte Weg ist Matter, das die Geräte ab Gen3 beherrschen. Der Standard ist herstellerübergreifend und damit ideal, wenn parallel Apple, Google oder Amazon mitreden sollen. Für Home Assistant allein ist er der schlechtere Deal: Matter überträgt nur die standardisierten Grundfunktionen, während die native Integration zusätzlich Gerätetemperatur, Eingangszustände, Energiezähler und Update-Verwaltung liefert. Die pragmatische Regel lautet deshalb: native Integration für Home Assistant, Matter nur dort, wo ein zweites Ökosystem zwingend mitspielen muss.

Automationen, die sich mit Shelly anbieten

  • Licht mit echtem Zustand: Weil das Relais immer weiß, ob Strom fließt, lassen sich Anwesenheit und Helligkeit zuverlässig verknüpfen – ein Präsenzmelder schaltet ein, der Wandschalter behält trotzdem das letzte Wort.
  • Der Fertig-Melder: Fällt die gemessene Leistung der Waschmaschine über mehrere Minuten unter wenige Watt, geht eine Nachricht über den Telegram-Bot an die Familie. Das ist die meistgebaute Automation überhaupt.
  • Doppelklick am Lichtschalter: Im Tastmodus wird aus einem Schalter ein Bedienelement mit mehreren Funktionen – einmal drücken schaltet die Lampe, zweimal ruft eine Szene für den ganzen Raum auf.
  • Rollladen nach Sonnenstand: Der Zwei-Kanal-Aktor erkennt über die Leistungsaufnahme, wann der Behang oben oder unten angekommen ist, und liefert damit eine belastbare Positionsangabe.
  • Verbrauch sichtbar machen: Die Messwerte der einzelnen Geräte machen das Energie-Dashboard erst aussagekräftig. Wer zusätzlich den Hausanschluss erfassen will, ergänzt den Dreiphasen-Messer im Zählerschrank.
  • Sprache ohne Cloud: Über den lokalen Sprachassistenten lassen sich die Relais ansprechen, ohne dass ein Befehl das Haus verlässt.
  • Notfall-Abschaltung: Verbraucher mit Brandrisiko können nach fester Zeit oder beim Verlassen des Hauses stromlos geschaltet werden – bei einem Unterputz-Relais sogar für fest installierte Geräte.

Fehler und Stolpersteine bei Einbau und Betrieb

  • Kein Neutralleiter in der Dose: In Altbauten liegt oft nur der geschaltete Außenleiter am Schalter. Dann passt kein Standard-Relais, sondern nur eine ausdrücklich für diesen Fall vorgesehene Variante.
  • Zu wenig Platz: Alte, flache Unterputzdosen sind randvoll mit Klemmen. Vor dem Kauf einmal den Schalter abnehmen und nachsehen – die Mini-Baureihe ist genau für diesen Engpass entstanden.
  • WLAN am Rand der Reichweite: Hinter einer Metallabdeckung oder in der Kellerdose bricht das Signal ein. Ein zusätzlicher Zugangspunkt löst das Problem dauerhaft, ein Neustart nur für ein paar Tage.
  • Adressen per DHCP: Wechselt die IP eines Geräts, fällt es aus der Integration. Feste Reservierungen im Router verhindern das Problem, bevor es entsteht.
  • Automationen an zwei Orten: Zeitpläne im Gerät und Automationen in Home Assistant arbeiten irgendwann gegeneinander. Die Logik gehört an genau eine Stelle – und das ist die Zentrale.
  • Cloud und Integration parallel: Bleibt die Hersteller-Cloud aktiv, kommen Schaltbefehle aus zwei Richtungen. Das erzeugt Verzögerungen und schwer erklärbare Zustände im Protokoll.
  • Backup vergessen: Die Geräte selbst sind schnell neu eingerichtet, die gewachsene Automationslandschaft nicht. Ein regelmäßiges Backup ist Pflicht, sobald mehr als eine Handvoll Geräte im Einsatz ist.

Häufige Fragen zu Shelly mit Home Assistant

Brauche ich die Shelly-Cloud überhaupt noch?
Nein. Sobald die Geräte in Home Assistant eingebunden sind, übernimmt die Zentrale sämtliche Steuerung und Fernzugriffe. Die Cloud darf abgeschaltet bleiben, was die Reaktionszeit verkürzt und die Anlage unabhängig vom Internetanschluss macht.

Shelly oder Zigbee-Aktoren – was ist die bessere Wahl?
Für wenige Geräte spricht alles für Shelly, weil kein Koordinator nötig ist. Wer viele Sensoren mit Batterie plant, fährt mit Zigbee2MQTT besser. In der Praxis laufen die meisten Häuser zweigleisig: Relais im WLAN, Sensorik über Zigbee.

Darf ich die Geräte selbst einbauen?
Arbeiten an der festen Hausinstallation sind in Deutschland Fachbetrieben vorbehalten. Ausdrücklich unproblematisch sind Steckdosen-Modelle, die einfach eingesteckt werden – damit lassen sich sämtliche Automationen ausprobieren, bevor irgendjemand eine Dose öffnet.

Wie viele Geräte verträgt das WLAN?
Der begrenzende Faktor ist selten die Bandbreite, sondern die Zahl gleichzeitiger Clients am Zugangspunkt. Ein einzelner Router kommt bei mehreren Dutzend Funkgeräten an seine Grenze; ab dieser Größenordnung ist ein zweiter Zugangspunkt sinnvoller als jede Optimierung.

Funktionieren die BLU-Sensoren ohne Zusatzgerät?
Sie senden über Bluetooth und brauchen einen Empfänger in Reichweite. Jedes netzbetriebene Gerät ab Gen2 kann diese Aufgabe übernehmen und die Daten an Home Assistant weiterreichen, wo sie über die BTHome-Integration ankommen.

Was passiert bei einem Stromausfall?
Die Relais nehmen nach der Rückkehr der Spannung den konfigurierten Zustand ein – wahlweise aus, an oder den letzten Zustand. Wichtiger ist die Zentrale selbst: Eine kleine unterbrechungsfreie Stromversorgung verhindert, dass das Dateisystem beim harten Abschalten Schaden nimmt.

Lohnt sich der Umstieg auf die neueste Generation?
Nur bei neuen Projekten. Bestehende Gen1- und Gen2-Geräte laufen weiter und werden von der Integration unverändert unterstützt. Ein Austausch funktionierender Hardware bringt vor allem dann etwas, wenn Zigbee oder Matter im Haus zum Standard werden sollen.

Fazit

Shelly mit Home Assistant ist der unauffälligste Weg, ein ganz normales Haus smart zu machen: Die Technik verschwindet hinter Schaltern, die alle längst kennen, und darunter wächst ein vollständig lokales System mit Messwerten, Automationen und Sprachsteuerung. Unsere klare Empfehlung: Fang mit einem Steckdosen-Modell an, nicht mit dem Schraubendreher – daran lernt man Integration, Messwerte und Automationslogik komplett kennen, ohne jemals die Sicherung herauszudrehen. Zweite Empfehlung, ebenso wichtig: Bau die Logik ausschließlich in Home Assistant und lass die Geräte dumm schalten. Wer Zeitpläne in die Geräteoberfläche schreibt, sucht ein halbes Jahr später den Fehler an der falschen Stelle – und verschenkt genau die Übersicht, für die man sich überhaupt eine Zentrale hingestellt hat.

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