Raspberry Pi Immich

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RASPBERRY PI IMMICH


Immich-Fotoserver: Raspberry Pi neben Fotostapel

Die Fotosammlung zieht nach Hause: Immich auf dem Pi

Kurz gesagt: Was braucht Immich auf dem Raspberry Pi wirklich?

Die Kurzfassung:

  • Was es ist: Raspberry Pi Immich ist eine selbst gehostete Foto- und Videoverwaltung, die sich wie Google Fotos bedient – Zeitleiste, automatischer Handy-Upload, Alben, Gesichter, Motivsuche –, nur dass alles auf dem eigenen Pi 5 bleibt.
  • RAM ist die harte Grenze: Das Projekt nennt 6 GB als Minimum und 8 GB als Empfehlung. Mit 4 GB läuft Immich nur, wenn man das maschinelle Lernen abschaltet.
  • Mehrere Container: Server, Machine Learning, PostgreSQL mit Vektor-Erweiterung und Valkey (Redis) – gestartet per Docker Compose aus einer einzigen Datei.
  • SSD ist Pflicht: Die Datenbank gehört auf lokalen SSD-Speicher, niemals auf eine SD-Karte und niemals auf ein Netzlaufwerk. Nur die Originaldateien dürfen aufs NAS.
  • Version festnageln: Immich wird sehr schnell weiterentwickelt. In der .env gehört eine feste Version wie v3.1.0, nicht release.
  • Backup zweigleisig: Datenbank per Dump sichern, Originalordner getrennt davon kopieren – beides zusammen ergibt erst eine Wiederherstellung.

Immich als selbst gehostete Google-Fotos-Alternative

Wer Raspberry Pi Immich einmal in Betrieb gesehen hat, versteht den Hype: Die App auf dem Handy lädt neue Aufnahmen automatisch hoch, im Browser erscheint eine flüssige Zeitleiste nach Aufnahmedatum, und die Suche findet Fotos nach Motiven wie „Strand" oder „Hund" statt nach Dateinamen. Genau das war jahrelang das Argument für Google Fotos – und genau das gibt es hier ohne Abo, ohne Speicherlimit und ohne fremde Auswertung.

Technisch ist Immich kein einzelnes Programm, sondern ein Verbund aus vier Containern. Der Server liefert Weboberfläche und Schnittstelle für die App. Der Machine-Learning-Container berechnet Gesichtsmerkmale und Motiv-Vektoren. PostgreSQL speichert alle Metadaten und – über die Vektor-Erweiterung VectorChord – die Suchvektoren direkt in der Datenbank. Valkey, der Nachfolger von Redis, verwaltet die Warteschlangen der Hintergrundjobs. Alle vier stehen fertig verdrahtet in einer offiziellen Compose-Datei.

Seit dem 1. Juli 2026 trägt Immich die Hauptversion 3 und hat damit den ewigen Beta-Status hinter sich gelassen. Version 3 brachte unter anderem nicht-zerstörende Bildbearbeitung direkt in der App, Automatisierungen über sogenannte Workflows und Texterkennung auf Fotos. Gleichzeitig gab es Änderungen an Schnittstellen und der Datenbank – ein guter Anlass, sich das Thema Versionspflege gleich zu Beginn anzuschauen statt beim ersten kaputten Update.

Die ehrliche Einordnung gegenüber Nextcloud: Nextcloud ist die bessere Dateiablage mit Kalender, Kontakten und Dokumenten. Immich ist die deutlich schnellere und schönere Fotoerfahrung. Viele Haushalte betreiben beides parallel – auf einem 8-GB-Pi wird das allerdings eng.

Raspberry Pi Immich installieren – Schritt für Schritt

  1. Fundament schaffen: 64-Bit Raspberry Pi OS (Lite genügt) auf einem Pi 5, System aktualisiert, Boot von NVMe-SSD statt von Speicherkarte. Eine feste IP-Adresse erspart später Sucherei in der App.
  2. Docker einrichten: curl -sSL https://get.docker.com | sh, danach sudo usermod -aG docker $USER und neu anmelden. Prüfen mit docker compose version.
  3. Projektordner anlegen: mkdir ~/immich-app und hineinwechseln. Alles Weitere spielt sich in diesem einen Verzeichnis ab.
  4. Offizielle Dateien holen: docker-compose.yml und example.env aus dem aktuellen Release herunterladen (github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/) und die Beispieldatei in .env umbenennen.
  5. .env anpassen: UPLOAD_LOCATION auf den Fotoordner der SSD setzen, DB_DATA_LOCATION ebenfalls auf lokalen SSD-Speicher, ein DB_PASSWORD nur aus Buchstaben und Ziffern vergeben, TZ=Europe/Berlin eintragen und IMMICH_VERSION auf eine konkrete Version wie v3.1.0 festlegen.
  6. Starten: docker compose up -d. Beim ersten Lauf lädt der Pi mehrere Gigabyte an Images – das dauert. docker compose logs -f zeigt, ob alles hochkommt.
  7. Konto anlegen: Im Browser http://<IP-des-Pi>:2283 aufrufen, Administrator-Konto erstellen und unter Administration die Einstellungen durchgehen – vor allem Speichervorlage und Machine-Learning-Optionen.
  8. App verbinden: Immich-App aus dem App Store oder von F-Droid installieren, Server-URL eintragen, anmelden und die automatische Sicherung für Kamerarolle und Screenshots aktivieren.

Raspberry Pi Immich und der RAM-Bedarf – warum 8 GB die Untergrenze sind

Der häufigste Grund für Frust ist zu wenig Arbeitsspeicher. Immich nennt selbst 6 GB als Minimum, 8 GB als Empfehlung – und weist zusätzlich darauf hin, dass allein die PostgreSQL-Datenbank rund 2 GB für sich beansprucht, wenn man mit Ressourcengrenzen arbeitet. Der Machine-Learning-Container ist der zweite große Verbraucher: Er lädt Modelle in den Speicher und hält sie dort.

Berichte aus der Community zeigen ein einigermaßen einheitliches Bild, wie sich die Ausbaustufen verhalten:

AusstattungWas realistisch geht
Pi 4, 4 GBLäuft technisch, aber nur mit abgeschaltetem Machine Learning und kleiner Sammlung
Pi 5, 4 GBBrauchbar ohne Bilderkennung; Upload, Alben, Zeitleiste und Karte funktionieren normal
Pi 5, 8 GBVollständiger Betrieb inklusive Gesichts- und Motiverkennung – die sinnvolle Untergrenze
Pi 5, 16 GBReserve für weitere Container, große Bibliotheken und parallele Hintergrundjobs

Wer das maschinelle Lernen nicht braucht, kommentiert den kompletten Block immich-machine-learning in der docker-compose.yml aus und startet neu. Erfahrungswerte liegen dann bei etwa 1,5 bis 2 GB Gesamtverbrauch. Verloren gehen dabei nur die semantische Motivsuche und die Gesichtserkennung – Upload, Alben, Teilen, Kartenansicht und Zeitleiste bleiben vollständig erhalten.

Die dritte Variante ist die eleganteste: Immich kann den Machine-Learning-Container auf einem anderen Rechner betreiben. Unter Administration → Einstellungen → Machine Learning lässt sich eine externe URL wie http://192.168.1.100:3003 eintragen, etwa auf einen Desktop-PC oder einen kleinen Mini-PC. Der Pi schickt dann nur Vorschaubilder dorthin. Wichtig zu wissen: Motivsuche und Gesichtserkennung nutzen den externen Dienst, das anschließende Gruppieren der Gesichter zu Personen läuft weiterhin zwischen Server und Datenbank – also auf dem Pi.

Und noch eine ehrliche Einordnung zum Thema Video: Für den Raspberry Pi gibt es in Immich kein passendes Hardware-Profil zum Umkodieren. Videos werden also von der CPU umgerechnet, was bei größeren Sammlungen spürbar dauert. Wer viele Videos hat, stellt das Umkodieren am besten auf ein Minimum oder überlässt es einer stärkeren Maschine.

Fotospeicher richtig ablegen – SSD, NAS und die App

Die wichtigste Trennung lautet: Datenbank lokal, Originale beliebig groß. Die PostgreSQL-Daten gehören auf eine SSD am Pi – ein Netzlaufwerk ist an dieser Stelle ausdrücklich nicht unterstützt und die häufigste Ursache für zerstörte Installationen. Die Originaldateien dagegen dürfen auf eine große externe Platte oder auf ein NAS wandern, das per Samba oder NFS eingebunden ist.

Beim Platzbedarf lohnt eine großzügige Kalkulation: Miniaturbilder und umgewandelte Videos vergrößern die Bibliothek im Schnitt noch einmal um 10 bis 20 Prozent. Eine 200-GB-Sammlung belegt am Ende also eher 240 GB. Zusammen mit der Regel, eine SSD nie randvoll laufen zu lassen, ist 1 TB für Familienarchive die vernünftige Größe.

Auf dem Handy übernimmt die Immich-App den Rest. Nach dem Anmelden wählt man die Ordner aus, die gesichert werden sollen – meist Kamera und Screenshots – und legt fest, ob nur im WLAN oder auch mobil hochgeladen wird. Die App zeigt eine Warteschlange mit offenen Uploads; wer möchte, lässt sie im Hintergrund arbeiten. Alben legt man in der App oder im Browser an, und geteilte Alben lassen sich entweder an andere Immich-Konten im Haushalt oder per öffentlichem Link nach außen freigeben, wahlweise mit Passwort und Ablaufdatum.

Für den Umzug von Google Fotos gibt es das Kommandozeilenwerkzeug immich-go. Es liest ein Google-Takeout-Archiv ein und überträgt dabei Aufnahmedaten, Alben und Geodaten korrekt – ein simples Hochladen der entpackten Dateien würde all diese Informationen verlieren, weil sie bei Takeout in separaten JSON-Dateien stecken.

Zugriff von außen, Updates und Backup

Ein Fotoserver ist erst dann bequem, wenn er auch unterwegs erreichbar ist. Drei Wege sind gebräuchlich, und sie unterscheiden sich deutlich:

  • VPN – der sicherste Weg: Mit WireGuard oder Tailscale ist das Handy virtuell im Heimnetz. Immich steht dabei niemals offen im Internet, und Uploadgrößen sind nicht begrenzt.
  • Cloudflare Tunnel – bequem, aber mit Haken: Ein Tunnel macht Immich ohne Portfreigabe unter einer eigenen Adresse erreichbar. Im kostenlosen Tarif begrenzt Cloudflare den Upload jedoch auf 100 MB pro Anfrage – große Videos scheitern damit zuverlässig. Übliche Lösung: zu Hause per lokalem DNS-Eintrag direkt auf den Pi zeigen, unterwegs über den Tunnel.
  • Portfreigabe – nur mit Reverse Proxy: Wer den Pi direkt aus dem Netz erreichbar macht, braucht zwingend HTTPS, aktuelle Versionen und ein sehr gutes Passwort. Für die meisten Haushalte ist das der schlechteste Kompromiss.

Beim Thema Updates gilt eine einfache Regel: Version pinnen. In der .env steht standardmäßig eine Sammelmarke wie v3, die automatisch jeder Ausgabe der Hauptversion folgt. Für einen Server, an dem die Familienfotos hängen, ist eine exakte Angabe wie v3.1.0 die bessere Wahl: Ein Update passiert dann nur, wenn man diese Zeile bewusst ändert. Vor jedem Sprung lohnt der Blick in die Release-Hinweise, weil das Projekt Breaking Changes dort deutlich kennzeichnet. Die Aktualisierung selbst ist unspektakulär: Zeile ändern, docker compose pull, docker compose up -d.

Das Backup muss zweigleisig gedacht werden, sonst ist es wertlos. Immich legt selbst täglich einen Datenbank-Dump unter UPLOAD_LOCATION/backups ab und hält standardmäßig 14 Stück vor – dieser Dump enthält aber ausschließlich Metadaten, keine einzige Bilddatei. Von Hand geht das mit docker exec -t immich_postgres pg_dump --clean --if-exists --dbname=immich --username=postgres | gzip > dump.sql.gz. Getrennt davon müssen die Ordner library, upload und profile gesichert werden, etwa per rsync auf eine zweite Platte oder per Syncthing außer Haus. Sinnvolle Reihenfolge: erst die Datenbank, dann die Dateien.

Typische Fehler und Stolpersteine

  • SD-Karte als Datenablage: Datenbank und Miniaturbilder schreiben pausenlos. Auf einer Speicherkarte ist das ein Countdown bis zum Ausfall – Immich gehört auf SSD, ohne Ausnahme.
  • Datenbank kaputt nach Stromausfall: PostgreSQL verträgt hartes Ausschalten schlecht. Eine USV und ein aktueller Dump sind die einzige verlässliche Versicherung; ein reines Kopieren des Postgres-Ordners im laufenden Betrieb ergibt oft ein unbrauchbares Abbild.
  • Speicher voll: Ein Upload-Marathon vom Handy füllt eine 500-GB-SSD schneller als gedacht. df -h gehört in die regelmäßige Kontrolle, und wenn es doch passiert ist, hilft die Anleitung zu vollem Speicher.
  • Datenbank auf dem Netzlaufwerk: Ein NFS- oder SMB-Mount für DB_DATA_LOCATION wird nicht unterstützt und führt früher oder später zu Datenverlust. Nur die Originaldateien dürfen aufs NAS.
  • Blindes Update auf „release": Wer immer die neueste Ausgabe zieht, holt sich Breaking Changes ins Haus, ohne es zu merken. Feste Version eintragen und Release-Hinweise lesen.
  • Ungeduld beim ersten Durchlauf: Nach dem Import arbeitet der Pi Miniaturbilder, Gesichter und Suchvektoren ab. Bei zehntausenden Fotos rechnet er dabei mehrere Nächte – das ist normal und kein Fehler.
  • Zu viele Dienste parallel: Immich neben Jellyfin, Nextcloud und einer Hausautomatisierung auf einem 8-GB-Pi endet im Swap – und Swap auf Dauerlast ist der Anfang vom Ende.

Häufige Fragen zu Immich auf dem Raspberry Pi

Reicht ein Raspberry Pi 4 für Immich?
Für Upload, Alben und Zeitleiste ja, sofern man das maschinelle Lernen abschaltet. Mit Gesichts- und Motiverkennung wird es zäh – dafür ist ein Pi 5 mit 8 GB die passende Wahl.

Wie viel Speicherplatz brauche ich für meine Fotos?
Die reine Sammlungsgröße plus etwa 10 bis 20 Prozent für Miniaturbilder und umgewandelte Videos. Für Familienarchive ist 1 TB eine vernünftige Größenordnung, 2 TB die entspannte.

Kann ich meine Google-Fotos-Sammlung übernehmen?
Ja, über Google Takeout und das Werkzeug immich-go. Es liest die JSON-Begleitdateien mit ein und erhält dadurch Aufnahmedatum, Alben und Geodaten.

Verlassen meine Fotos den Raspberry Pi?
Nein. Gesichtserkennung und Motivsuche laufen im lokalen Machine-Learning-Container. Nur wer den Dienst bewusst auf einen anderen Rechner auslagert, schickt Vorschaubilder dorthin – innerhalb des eigenen Netzes.

Warum soll ich die Immich-Version festnageln?
Weil das Projekt in sehr hoher Frequenz veröffentlicht und gelegentlich Änderungen mitbringt, die Anpassungen erfordern. Eine feste Angabe wie v3.1.0 sorgt dafür, dass Updates nur dann passieren, wenn man sie auslöst.

Was passiert bei einem Stromausfall?
Im besten Fall nichts, im schlechtesten ist die Datenbank beschädigt. Eine USV und regelmäßige Dumps machen den Unterschied zwischen Schreck und Datenverlust.

Immich oder Nextcloud für Fotos?
Immich ist als Fotoverwaltung schneller, hübscher und näher an Google Fotos. Nextcloud punktet bei Dateien, Kalender und Kontakten. Wer beides will, plant besser 16 GB RAM ein.

Fazit

Raspberry Pi Immich ist der überzeugendste Ausstieg aus Google Fotos, den Selfhosting derzeit zu bieten hat – gleiche Bequemlichkeit, volle Datenhoheit, keine Abogebühr. Unsere klare Empfehlung dazu lautet: Pi 5 mit 8 GB, NVMe-SSD, feste Versionsangabe in der .env und ein Backup, das Datenbank und Originaldateien getrennt behandelt. Wer bei einem dieser vier Punkte spart, spart am falschen Ende: Mit 4 GB muss man auf die Bilderkennung verzichten, ohne SSD stirbt die Datenbank, ohne feste Version zerlegt irgendwann ein Update den Server, und ohne getrenntes Backup ist im Ernstfall entweder die Sammlung oder ihre komplette Ordnung weg. Wer diese vier Regeln beherzigt, bekommt einen Fotoserver, der der Familie tatsächlich gehört – und der auch in fünf Jahren noch läuft.

* = Affiliate Link (raspi-config.de ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.)


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