Flightradar24 mit dem Raspberry Pi – die eigene Radarstation
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FLIGHTRADAR24 MIT DEM RASPBERRY PI – DIE EIGENE RADARSTATION

Der Pi sieht Flugzeuge – bis zu 400 km weit
Passende Hardware im Überblick
Empfänger – das Herz der Station:
NESDR Mini RTL-SDR-Stick mit Antenne – der günstige Einstieg (Link)*
Nooelec NESDR SMArt v5 mit TCXO – die stabilere Wahl (Link)*
Boards für die Radarstation:
Raspberry Pi Zero 2 W – genügt für eine einzelne Station (Link)*
Raspberry Pi 4 mit 4GB im Starter-Set (Link)*
Raspberry Pi 5 mit 4GB RAM (Link)*
Raspberry Pi 5 mit 8GB RAM – die Empfehlung für mehrere Feeder (Link)*
Raspberry Pi 5 mit 16GB RAM (Link)*
db-tronic Pi-5-Komplettset mit Gehäuse, Kühler und Netzteil (Link)*
Strom und Dauerbetrieb:
Offizielles 27-W-Netzteil für den Pi 5 (Link)*
Offizielles Netzteil für den Pi 4 (Link)*
Geekworm X1200 USV – überbrückt Stromausfälle (Link)*
Waveshare PoE-HAT für den Pi 5 – ein Kabel für Strom und Netz (Link)*
ZTE MF79N LTE-Stick – für Standorte ohne Netzwerkanschluss (Link)*
Speicher – der Feeder schreibt rund um die Uhr:
SanDisk Extreme A2 128GB – langlebige Speicherkarte (Link)*
SanDisk microSD 32GB – wenn es günstig sein soll (Link)*
Geekworm X1001 M.2-HAT für den Pi 5 (Link)*
Intenso M.2 NVMe SSD 500GB (Link)*
Kurz gesagt: Was bringt eine eigene Flightradar24-Station?
Flightradar24 mit dem Raspberry Pi ist eines der dankbarsten Projekte überhaupt – ein Stick für rund 30 Euro macht aus dem Bastelrechner eine echte Radarstation. Die Kurzfassung:
- Die Technik ist offen: Jedes Verkehrsflugzeug funkt Position, Höhe, Geschwindigkeit und Kennung unverschlüsselt auf 1090 MHz über ADS-B. Diese Aussendung ist ausdrücklich für den Empfang durch andere gedacht – Flugzeuge, Bodenstationen und eben auch dein Pi.
- Was du brauchst: Einen RTL-SDR-Stick, eine Antenne, einen Raspberry Pi und einen Platz möglichst weit oben. Mehr nicht.
- Rechenleistung ist zweitrangig: Schon ein Zero 2 W reicht für eine Station. Ein Pi 4 oder Pi 5 lohnt sich erst, wenn mehrere Netzwerke parallel beliefert und Statistiken mitgeschrieben werden.
- Die Belohnung: Wer Flightradar24 mit Daten versorgt, erhält ein kostenloses Business-Abo, solange die Station sendet. FlightAware schaltet für Feeder einen Enterprise-Account frei.
- Der eigentliche Reiz: Die lokale Karte im Browser zeigt deine Empfangsdaten – live, ohne Umweg über das Internet und ohne die Filter der öffentlichen Portale.
- Die Reichweite entscheidet die Antenne: Mit der beiliegenden Stummelantenne sind rund 100 km realistisch, mit einer Außenantenne in Dachhöhe nähern sich Stationen der Funkhorizont-Grenze von 300 bis 400 km.
Wie ADS-B funktioniert – die Technik hinter Flightradar24
ADS-B steht für „Automatic Dependent Surveillance – Broadcast". Der Name beschreibt das Prinzip ziemlich genau: Das Flugzeug ermittelt seine Position selbst per Satellitennavigation und sendet sie automatisch und ungefragt in die Gegend – ungefähr zweimal pro Sekunde, auf 1090 MHz, als sogenannter Mode-S Extended Squitter. Niemand fragt an, niemand quittiert. Wer zuhört, hört mit.
Genau deshalb funktioniert das Prinzip mit derart einfacher Hardware. Ein RTL-SDR-Stick war ursprünglich ein DVB-T-Empfänger; findige Entwickler haben herausgefunden, dass sich der verbaute Chip als breitbandiger Software-Defined-Radio-Empfänger verwenden lässt. Die Software dump1090 beziehungsweise ihr moderner Nachfolger readsb übernimmt den Rest: Sie dekodiert die Funkpakete und macht daraus Flugzeugpositionen mit Kennung, Höhe und Kurs.
Nicht jedes Flugzeug sendet vollständige ADS-B-Daten. Ältere Maschinen und viele Kleinflugzeuge antworten nur mit Mode-S-Kennung ohne Position. Für diese Fälle gibt es MLAT (Multilateration): Empfangen mehrere Stationen dasselbe Signal, lässt sich aus den Laufzeitunterschieden die Position berechnen. Voraussetzung ist ein auf wenige Meter genau hinterlegter Standort – deshalb fragen alle Feeder-Programme die Koordinaten so penibel ab.
Die Grenze der Reichweite ist keine Frage der Empfängerqualität, sondern der Erdkrümmung. 1090 MHz breitet sich quasioptisch aus, das Signal folgt also der Sichtlinie. Ein Flugzeug in 11 km Höhe verschwindet rechnerisch bei etwa 400 km hinter dem Horizont – das ist die harte Obergrenze, die keine Antenne der Welt überschreitet.
Flightradar24 auf dem Raspberry Pi installieren – Schritt für Schritt
- System aufsetzen: Raspberry Pi OS Lite (64 Bit) genügt völlig – eine grafische Oberfläche braucht die Station nicht. Der Raspberry Pi Imager hinterlegt gleich WLAN, Benutzername und SSH, sodass der Pi headless startet.
- Stick anstecken: RTL-SDR in einen USB-Port, Antenne aufschrauben. Ein kurzes USB-Verlängerungskabel bringt den Stick vom Gehäuse weg – das senkt die Eigenstörungen des Pi spürbar und hält den Stick kühler.
- Feeder installieren: Der Einzeiler sudo bash -c "$(wget -O - https://repo-feed.flightradar24.com/install_fr24_rpi.sh)" trägt das Paketarchiv von Flightradar24 ein und installiert das Paket fr24feed samt Empfangssoftware.
- Station anmelden: Im Anschluss läuft der Assistent fr24feed --signup. Er fragt E-Mail-Adresse, geografische Koordinaten und Antennenhöhe ab und vergibt einen Sharing-Key sowie eine Stationskennung wie T-EDDF12. Die Angaben landen in /etc/fr24feed.ini und lassen sich dort jederzeit korrigieren.
- Dienst prüfen: sudo systemctl status fr24feed zeigt, ob der Feeder läuft. Die Statusseite erreichst du im Browser unter http://raspberrypi.local:8754 – dort stehen Verbindungsstatus, empfangene Nachrichten pro Sekunde und die Zahl der aktuell gesehenen Flugzeuge.
- Lokale Karte öffnen: Die mitgelieferte dump1090-Karte liegt auf Port 8080. Erscheinen dort nach ein paar Minuten die ersten Symbole, ist alles richtig verkabelt.
- Feste Adresse vergeben: Eine statische IP und aktiviertes SSH machen die Station wartungsfrei – danach verschwindet sie im Regal und meldet sich nur noch übers Netz.
- Konto verknüpfen: Nach etwa einer Stunde Betrieb taucht die Station im eigenen Flightradar24-Konto auf und das Business-Abo schaltet sich frei. Bleibt es aus, stimmt meist die E-Mail-Adresse aus dem Anmeldeassistenten nicht mit der des Kontos überein.
Mehrfach füttern: Flightradar24, FlightAware und ADSBexchange
Der Empfänger dekodiert die Daten nur einmal – weitergeben lassen sie sich beliebig oft. Die Feeder-Programme der großen Netzwerke laufen problemlos nebeneinander auf demselben Pi, weil sie sich alle beim selben Dekoder bedienen. Der Aufwand sind zwei weitere Befehle, der Ertrag zwei weitere kostenlose Konten.
| Netzwerk | Software | Gegenleistung | Lokale Ansicht |
|---|---|---|---|
| Flightradar24 | Paket fr24feed oder fertiges Pi24-Image | Business-Abo, solange die Station liefert | Status auf Port 8754, Karte auf 8080 |
| FlightAware | piaware plus dump1090-fa aus dem eigenen Paketarchiv | Enterprise-Account | SkyAware-Karte im Browser |
| ADSBexchange | Skript von adsbexchange.com/feed.sh | Zugriff auf die ungefilterte Weltkarte | tar1090-Karte |
| Eigenbetrieb | readsb mit tar1090 und graphs1090 | volle Kontrolle, keine Weitergabe nötig | Karte unter /tar1090, Statistik unter /graphs1090 |
Ein Unterschied lohnt die Erwähnung: ADSBexchange filtert grundsätzlich keine Flugzeuge heraus, während die kommerziellen Portale bestimmte Kennungen auf Wunsch der Halter ausblenden. Auf der eigenen Karte im Heimnetz erscheint ohnehin alles, was der Stick empfängt – dieser Blick ist der eigentliche Reiz des Projekts.
Mehr Reichweite herausholen: Antenne, Standort und Filter
Bei ADS-B gilt eine unbequeme Wahrheit: Der Standort schlägt jede Hardware. Eine Station im Erdgeschoss hinter einer Häuserzeile sieht mit dem besten Empfänger weniger als eine Billigstation auf dem Dachboden. Wer die Reichweite steigern will, arbeitet deshalb in dieser Reihenfolge.
- Höhe und freie Sicht: Jeder Meter zählt, jedes Hindernis kostet. Erfahrungswerte aus der Community zeigen, dass allein der Umzug vom Fensterbrett auf den Dachboden die Zahl der gesehenen Flugzeuge oft verdoppelt.
- Antenne statt Stummel: Die mitgelieferte Teleskopantenne ist ein Kompromiss für alle Frequenzen. Eine auf 1090 MHz abgestimmte Kollinear- oder Groundplane-Antenne ist der wirksamste einzelne Umbau.
- Kabel kurz halten: Bei 1090 MHz frisst billiges Koaxkabel die Signalgewinne schnell wieder auf. Lieber den Pi mit zur Antenne nehmen und die Daten übers Netzwerk holen, als zehn Meter Dünnkabel zu verlegen.
- Filter in Stadtlage: Mobilfunk und Rundfunk übersteuern den breitbandigen Empfänger. Ein SAW-Filter für 1090 MHz, oft kombiniert mit einem rauscharmen Vorverstärker, bringt in dicht besiedelten Gegenden mehr als jede Antennenoptimierung.
- Gain nachjustieren: Volle Verstärkung ist selten optimal. Die Kennzahl ist der Anteil übersteuerter Nachrichten in der Statistik – wer den Gain schrittweise senkt und die Zahl der dekodierten Positionen beobachtet, findet das Optimum in einer Viertelstunde.
- Statistik mitschreiben: Wer den Verlauf sauber auswerten will, kombiniert die Feeder-Daten mit Grafana – so wird jede Antennenänderung messbar statt gefühlt.
Die Station im Dauerbetrieb absichern
Eine Radarstation ist kein Bastelaufbau für einen Nachmittag, sondern ein Gerät, das jahrelang durchlaufen soll. Zwei Dinge machen den Unterschied zwischen einer Station, die läuft, und einer, die alle paar Wochen Aufmerksamkeit fordert.
Das erste ist die Stromversorgung. Der RTL-SDR-Stick zieht dauerhaft Strom und erzeugt Wärme; zusammen mit einem sparsamen Board bleibt der Stromverbrauch zwar im einstelligen Wattbereich, ein schwaches Netzteil führt aber zu Unterspannung und damit zu abbrechenden USB-Verbindungen. Ein passendes Original-Netzteil, ein PoE-HAT im Netzwerkschrank oder eine kleine USV gegen Stromausfälle sind hier gut angelegtes Geld.
Das zweite ist der Datenträger. Feeder und Kartensoftware schreiben rund um die Uhr Protokolle und Verlaufsdaten. Auf einer billigen Speicherkarte ist das ein Countdown, der nach ein bis zwei Jahren abläuft. Eine hochwertige Karte hält deutlich länger, eine SSD am Pi 5 nimmt das Thema komplett vom Tisch. Wer bei der Karte bleibt, begrenzt wenigstens das Journal per journalctl --vacuum-size=50M.
Fehler und Stolpersteine beim ADS-B-Empfang
- Falsche Koordinaten: Wer den Standort nur grob angibt, fliegt aus der MLAT-Berechnung – die Netzwerke verlangen Genauigkeit im Meterbereich, inklusive Antennenhöhe über Grund.
- Zu viel Verstärkung: Ein übersteuerter Empfänger dekodiert weniger als ein leiser. Bleibt die Zahl der Nachrichten hoch, die der Positionen aber niedrig, ist fast immer der Gain schuld.
- Der Stick klemmt am Pi: Direkt am Gehäuse steckende Sticks fangen die Störstrahlung des Boards ein und werden heiß. Eine kurze USB-Verlängerung löst beide Probleme auf einmal.
- Antenne im Fensterrahmen: Metallrahmen, Wärmeschutzverglasung und Rollladenkästen dämpfen 1090 MHz erheblich. Das ist der häufigste Grund für enttäuschende Reichweiten.
- Zwei Programme, ein Stick: Nur ein Prozess darf direkt auf den Empfänger zugreifen. Laufen mehrere Dekoder gleichzeitig, bleibt die Karte leer – die zusätzlichen Feeder holen ihre Daten stattdessen vom laufenden Dekoder ab.
- Zeitversatz: Eine falsch gehende Systemuhr macht MLAT unmöglich. Bei Boards ohne Echtzeituhr ist eine funktionierende Zeitsynchronisation im Netz Pflicht.
- Blitzschutz vergessen: Eine Außenantenne auf dem Dach gehört elektrisch abgesichert und geerdet. Das ist kein Detail für Fortgeschrittene, sondern Grundvoraussetzung.
Häufige Fragen zu Flightradar24 mit dem Raspberry Pi
Ist der Empfang von ADS-B erlaubt?
ADS-B wird unverschlüsselt und ausdrücklich zum Empfang durch andere ausgestrahlt – genau darauf beruht das Verfahren. Die großen Netzwerke bauen ihre Abdeckung seit Jahren offen auf privaten Empfangsstationen auf.
Reicht ein Raspberry Pi Zero 2 W wirklich aus?
Ja. Die Dekodierung ist keine große Rechenaufgabe, ein einzelner Feeder läuft auf dem Zero 2 W stabil. Eng wird es erst, wenn drei Netzwerke, eine Kartenoberfläche und Statistikgrafiken parallel laufen sollen – dann ist ein Pi 4 oder Pi 5 die bessere Basis.
Was bringt das kostenlose Business-Abo konkret?
Es entfernt die Werbung und schaltet die erweiterten Ansichten frei – Filter, Wetter- und Wind-Layer, mehr Flugdetails und einen längeren Verlauf. Aktiv bleibt es, solange die eigene Station Daten liefert.
Welche Reichweite ist realistisch?
Mit der beiliegenden Antenne am Fenster typischerweise 80 bis 150 km, mit einer abgestimmten Außenantenne in Dachhöhe 250 bis 400 km. Mehr geht physikalisch nicht: Bei größerer Entfernung liegt das Flugzeug hinter dem Horizont.
Sehe ich auch Militärmaschinen und Hubschrauber?
Auf der lokalen Karte erscheint alles, was empfangen wird – auch Flugzeuge, die auf öffentlichen Portalen ausgeblendet sind. Maschinen, die ihren Transponder bewusst ohne Positionsdaten betreiben, bleiben allerdings unsichtbar.
Brauche ich 978 MHz zusätzlich?
Nein. Der zweite ADS-B-Kanal auf 978 MHz (UAT) wird ausschließlich in den USA für die allgemeine Luftfahrt genutzt. In Europa läuft alles über 1090 MHz.
Kann derselbe Stick noch andere Dinge empfangen?
Grundsätzlich ja – der Empfänger deckt einen breiten Frequenzbereich ab und wird auch für Wettersatelliten oder Navigationsdaten genutzt. Im Dauerbetrieb als Radarstation ist er aber belegt; für Experimente lohnt ein zweiter Stick.
Fazit
Flightradar24 mit dem Raspberry Pi gehört zu den wenigen Pi-Projekten, die sich sofort doppelt auszahlen: Ein Stick für rund 30 Euro liefert eine eigene Live-Karte des Luftraums, und als Dank für die Datenweitergabe gibt es ein Business-Abo geschenkt. Unsere klare Empfehlung dazu: Investiere das Geld nicht in ein größeres Board, sondern in Antenne und Standort. Ein Zero 2 W am Dachboden mit einer abgestimmten 1090-MHz-Antenne sieht mehr Flugzeuge als ein Pi 5 mit Stummelantenne im Erdgeschoss – und wer die Station gleich an alle drei Netzwerke anschließt, hat für dieselbe Arbeit den dreifachen Gegenwert. Der Aufbau kostet einen Nachmittag, die Faszination hält Jahre.
* = Affiliate Link (raspi-config.de ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.)
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