Raspberry Pi Uptime Kuma

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RASPBERRY PI UPTIME KUMA


Uptime Kuma: gruene Balken auf dem Monitoring-Dashboard

Grüne Balken, ruhiger Schlaf: der Wachhund fürs Heimnetz

Kurz gesagt: Was bringt Uptime Kuma auf dem Raspberry Pi?

Ein Raspberry Pi mit Uptime Kuma ist der billigste Systemadministrator, den ein Heimnetz haben kann: ein kleines Gerät, das im Minutentakt nachsieht, ob Router, NAS, Pi-hole und die eigene Website noch antworten – und sich meldet, bevor es jemand anders merkt.

  • Was es ist: Ein selbst gehosteter Überwachungsdienst, der Erreichbarkeit, Antwortzeiten und Zertifikatslaufzeiten protokolliert. Keine Cloud, keine monatlichen Kosten.
  • Installation: Am einfachsten als Container: eine compose.yaml, ein docker compose up -d – die Oberfläche wartet unter http://<IP-des-Pi>:3001.
  • Aktueller Stand: Version 2.x ist die aktive Reihe – überarbeitete Oberfläche, wahlweise MariaDB statt SQLite, Rootless-Docker-Modus.
  • Monitortypen: HTTP(s), Ping, TCP-Port, DNS, Docker-Container, Schlüsselwort-Suche im Seitenquelltext, Push für Skripte und seit Version 2.5 auch NTP.
  • Benachrichtigungen: Über 90 Kanäle stehen bereit – Telegram, ntfy, E-Mail, Discord, Matrix, Gotify und viele mehr, beliebig kombinierbar.
  • Hardware: Ein Zero 2 W genügt. Wichtig ist nur: Der Wächter darf nicht auf demselben Gerät laufen wie die überwachten Dienste.

Was Uptime Kuma ist – und warum ein Wächter sich lohnt

Uptime Kuma ist ein quelloffenes Überwachungswerkzeug von Louis Lam, das man auf der eigenen Hardware betreibt. Es macht im Grunde etwas sehr Einfaches: Es fragt in einem festgelegten Takt bei einer Liste von Zielen nach, ob sie antworten, und schreibt das Ergebnis in eine Datenbank. Aus diesen Datenpunkten entstehen die farbigen Balkenreihen im Dashboard, die auf einen Blick zeigen, welcher Dienst wie zuverlässig war.

Der Reiz liegt in der Bedienung. Kommerzielle Dienste kosten ab einer Handvoll Ziele Geld, klassische Werkzeuge wie Nagios oder Zabbix verlangen tagelange Einarbeitung. Uptime Kuma steht dazwischen: Ein neuer Monitor ist in dreißig Sekunden angelegt – Typ auswählen, Adresse eintragen, Intervall setzen, speichern. Entsprechend steht das Projekt auf GitHub bei rund 90.000 Sternen.

Warum das im Heimnetz überhaupt gebraucht wird, zeigt ein typisches Muster: Ein Container stirbt nachts an einem Speicherproblem, das Backup-Skript bricht ab, oder das Zertifikat der eigenen Domain läuft aus. Ohne Überwachung fällt so etwas erst auf, wenn sich jemand im Haushalt beschwert – oft Tage später. Die zweite Stärke ist die Beweisführung über die Zeit: Wer wissen will, ob der eigene Anschluss wirklich stabil ist, bekommt nach ein paar Wochen belastbare Zahlen statt Bauchgefühl.

Uptime Kuma auf dem Raspberry Pi installieren – Schritt für Schritt

  1. Grundsystem vorbereiten: Ein 64-Bit-Raspberry-Pi-OS in der Lite-Variante genügt vollkommen, sowohl unter Bookworm als auch unter dem neueren Trixie. Eine feste IP-Adresse ist Pflicht, sonst ist das Dashboard nach dem nächsten Neustart nicht mehr auffindbar.
  2. Docker einrichten: curl -sSL https://get.docker.com | sh, anschließend sudo usermod -aG docker $USER und einmal neu anmelden. Die ausführliche Variante steht in der Docker-Anleitung.
  3. Ordner und Compose-Datei anlegen: mkdir -p ~/docker/uptime-kuma und darin eine Datei compose.yaml mit folgendem Inhalt:

    services:
      uptime-kuma:
        image: louislam/uptime-kuma:2
        container_name: uptime-kuma
        restart: unless-stopped
        ports:
          - "3001:3001"
        volumes:
          - ./data:/app/data
  4. Starten: Im selben Ordner docker compose up -d ausführen. Der erste Start dauert ein bis zwei Minuten.
  5. Ersteinrichtung im Browser: http://<IP-des-Pi>:3001 aufrufen und ein Administratorkonto anlegen. Dieses Konto ist der einzige Zugang – das Passwort gehört in einen Passwortspeicher.
  6. Ersten Monitor anlegen: Oben links auf „Add New Monitor", als Typ „Ping" wählen, die Adresse des Routers eintragen, Intervall 60 Sekunden. Kurz darauf erscheint der erste grüne Balken.
  7. Sprache und Zeitzone umstellen: Unter „Settings – Appearance" die Oberfläche auf Deutsch stellen, unter „General" die Zeitzone auf Europe/Berlin – sonst stimmen die Zeitstempel der Meldungen nicht.
  8. Aktualisieren: docker compose pull && docker compose up -d. Die Daten im data-Verzeichnis überleben jeden Container-Austausch.

Monitortypen im Überblick – was sich prüfen lässt

Der richtige Typ entscheidet, ob eine Meldung aussagekräftig ist: Ein Ping zeigt nur, dass ein Gerät im Netz antwortet – ob der Dienst darauf noch arbeitet, sagt er nicht.

TypPrüftTypischer Einsatz
HTTP(s)Statuscode einer WebadresseWeboberflächen, eigene Website, Zertifikatslaufzeit
HTTP(s) KeywordOb ein Wort im Quelltext vorkommtErkennt Seiten, die zwar laden, aber leer bleiben
PingICMP-Antwort eines GerätsRouter, Drucker, Kameras, Netzwerkschalter
TCP PortOb ein Port Verbindungen annimmtSSH, Samba, Datenbanken, Minecraft-Server
DNSNamensauflösung samt AntwortzeitDer eigene Pi-hole als DNS-Server
Docker ContainerLaufzustand eines ContainersDienste ohne eigene Weboberfläche
PushOb ein Skript sich meldetBackups und Cronjobs, die stillschweigend scheitern
NTPAntwort eines ZeitserversSeit Version 2.5 verfügbar

Besonders unterschätzt ist der Push-Monitor. Er dreht die Richtung um: Uptime Kuma fragt nicht nach, sondern erwartet, dass sich ein Skript regelmäßig meldet. Bleibt die Meldung aus, schlägt der Monitor Alarm. Genau so lässt sich ein nächtliches Backup überwachen – ein curl-Aufruf am Ende des Skripts genügt.

Benachrichtigungen einrichten: Telegram, ntfy und E-Mail

Ein Dashboard, das niemand ansieht, ist nutzlos. Der wichtigste Schritt sind deshalb die Benachrichtigungen unter „Settings – Notifications". Von den über 90 unterstützten Diensten decken drei den Heimgebrauch praktisch vollständig ab.

  • Telegram ist der Klassiker: Beim @BotFather mit /newbot einen Bot anlegen, den ausgegebenen Token kopieren, dem eigenen Bot einmal /start schicken und die eigene Chat-ID eintragen. Ein bereits vorhandener Bot lässt sich weiterverwenden.
  • ntfy ist die datensparsame Variante: ein frei gewähltes Thema auf ntfy.sh, dieselbe Zeichenkette in der Handy-App abonniert – fertig, ohne Konto. Als eigener Container bleibt alles im Haus.
  • E-Mail (SMTP) eignet sich für Meldungen, die dokumentiert bleiben sollen – aber über ein Postfach beim Provider, nicht über den womöglich selbst überwachten Mailserver.

Eine Regel gilt unabhängig vom Kanal: Der Benachrichtigungsweg darf nicht von den überwachten Systemen abhängen. Läuft die Meldung über einen Dienst, der beim Stromausfall im selben Schrank mit ausfällt, kommt genau nichts an.

Sinnvoll ist außerdem, die Anzahl der Wiederholungen je Monitor auf ein bis zwei zu setzen. In Version 2.x steht der Standardwert bei null – ein einzelner Paketverlust im WLAN löst dann sofort eine Meldung aus.

Statusseite, Wartungsfenster und Home Assistant

Neben dem internen Dashboard kann Uptime Kuma beliebig viele Statusseiten veröffentlichen. Darauf landen nur bewusst ausgewählte Monitore – gruppiert, mit eigenem Logo. Für Verein, Kleinbetrieb oder Familien-Cloud ist das eine elegante Art, Störungen zu kommunizieren.

Wer die Seite von außen erreichbar machen will, sollte den Port nicht einfach im Router freigeben. Sauberer ist ein Reverse-Proxy mit Zertifikat oder Cloudflare Tunnel. Für den privaten Zugriff von unterwegs reicht ein Tailscale-Netz – dann bleibt die Oberfläche im Internet unsichtbar.

Die Wartungsfenster schaffen im Alltag Ruhe: Wer sonntagnachts Aktualisierungen einspielt, legt dafür ein wiederkehrendes Fenster an. In dieser Zeit schweigen die betroffenen Monitore, die Statusseite zeigt „geplante Wartung" statt eines Ausfalls, und die Verfügbarkeitsstatistik bleibt sauber.

Seit Version 2025.8 gibt es außerdem eine offizielle Home-Assistant-Integration. Sie holt über einen API-Schlüssel den Zustand aller Monitore als Entitäten ins Smart Home – nutzbar auf Wanddisplays und in Automationen.

Was im Heimnetz sinnvoll überwacht wird

Berichte aus der Selfhosting-Community zeigen ein wiederkehrendes Muster: Anfangs entstehen zu viele Monitore, danach zu wenige mit Aussagekraft. Diese Reihenfolge hat sich bewährt.

  • Zuerst das Rückgrat: Router, Internetzugang gegen eine externe Adresse und der DNS-Dienst. Fällt der DNS-Server aus, wirkt für alle im Haushalt sofort „das Internet" kaputt.
  • Dann die Datenablage: Das NAS per Ping, die Samba-Freigabe per TCP-Port.
  • Danach die Dienste: Alles mit Weboberfläche – von der Smart-Home-Zentrale über die eigene Cloud bis zu Grafana. Für Container ohne Oberfläche eignet sich der Docker-Monitor.
  • Zuletzt das Unsichtbare: Backup-Skripte per Push, Zertifikats- und Domainlaufzeiten per HTTP-Monitor – genau das, was sonst erst am Tag des Ablaufs auffällt.

Die passende Ergänzung ist Portainer: Uptime Kuma meldet, dass etwas nicht stimmt, Portainer zeigt die Protokolle dazu.

Fehler und Stolpersteine bei Uptime Kuma

  • Der Wächter läuft auf dem überwachten Gerät: Der häufigste Denkfehler. Stürzt der Server ab, ist auch die Überwachung tot – und niemand erfährt davon. Ein separater kleiner Pi kostet wenig und löst das Problem vollständig.
  • Zu kurze Intervalle: Zwanzig Sekunden sind möglich, erzeugen aber pro Monitor rund 4.300 Datensätze am Tag – auf einer Speicherkarte ein Verschleißprogramm. Sechzig Sekunden reichen im Heimnetz völlig.
  • Speicherkarte statt SSD: Die SQLite-Datenbank schreibt permanent. Bei vielen Monitoren gehört das System auf eine SSD, und die Aufbewahrungsdauer der Verlaufsdaten sollte begrenzt werden.
  • Selbstsignierte Zertifikate: Interne Dienste mit eigenem Zertifikat melden sich als Fehler. Die Zertifikatsprüfung lässt sich je Monitor abschalten – aber nur für interne Ziele.
  • Kein Backup der Daten: Die JSON-Sicherung aus Version 1.x wurde entfernt. Gesichert wird das data-Verzeichnis, am besten bei gestopptem Container.
  • Umstieg von 1.x auf 2.x ohne Sicherung: Die Datenbank wird beim ersten Start umgebaut. Ohne vorherige Kopie des data-Ordners gibt es keinen Weg zurück; auch die Vorlagen für E-Mail-Texte haben sich geändert.

Häufige Fragen zu Uptime Kuma auf dem Raspberry Pi

Wie viele Monitore schafft ein Raspberry Pi?
Ein Pi 4 oder Pi 5 verkraftet mehrere hundert Monitore; der Bedarf liegt bei wenigen hundert Megabyte Arbeitsspeicher. Ein Zero 2 W kommt mit ein bis zwei Dutzend Zielen zurecht, sofern die Intervalle nicht zu knapp stehen.

Brauche ich Version 2 oder reicht Version 1?
Neue Installationen sollten direkt mit dem Abbild-Kennzeichen 2 starten. NTP-Monitor, MariaDB-Anbindung und Rootless-Modus gibt es ausschließlich dort.

SQLite oder MariaDB als Datenbank?
SQLite ist der Standard und für Heimnetze die richtige Wahl. MariaDB lohnt erst bei mehreren hundert Monitoren mit kurzen Intervallen – dann allerdings deutlich, weil Schreibsperren wegfallen.

Wer überwacht den Wächter selbst?
Dafür gibt es zwei Wege: einen kostenlosen Heartbeat bei einem externen Dienst oder eine zweite, sehr schlanke Instanz auf einem anderen Gerät.

Kann ich meine eigene Website damit überwachen?
Ja, das ist einer der häufigsten Einsätze. Der HTTP-Monitor prüft Statuscode und Antwortzeit, der Keyword-Monitor erkennt zusätzlich Seiten, die mit Code 200 antworten, aber leer bleiben. Die Restlaufzeit des Zertifikats läuft automatisch mit.

Lässt sich Uptime Kuma ohne Docker installieren?
Technisch ja, per Node.js ab Version 20.4 und PM2. Der Container ist trotzdem der bessere Weg, weil Aktualisierungen aus zwei Befehlen bestehen.

Wie sichere ich die Oberfläche gegen fremden Zugriff ab?
Port 3001 gehört nicht ins offene Internet. Im lokalen Netz genügt das Passwort samt Zwei-Faktor-Anmeldung; von außen sind Reverse-Proxy oder VPN die richtigen Mittel – mehr dazu in der Anleitung zum Absichern des Raspberry Pi.

Fazit

Von allen Diensten, die sich auf einem Heimserver einrichten lassen, hat Uptime Kuma auf dem Raspberry Pi das beste Verhältnis von Aufwand zu Nutzen: eine Viertelstunde Einrichtung, danach weiß man dauerhaft, was im eigenen Netz los ist. Unsere klare Empfehlung lautet deshalb: Nimm dafür ein eigenes, kleines Gerät – ein Zero 2 W oder ein ausgemusterter Pi 4 reicht völlig – und lass es nichts anderes tun als überwachen. Ein Wächter, der zusammen mit dem Server ausfällt, ist keiner. Zwei weitere Punkte machen den Unterschied zwischen Spielzeug und echtem Werkzeug: ein Benachrichtigungsweg, der unabhängig vom Heimnetz funktioniert, und Push-Monitore für alle Skripte, die sonst still im Hintergrund scheitern. Wer das beherzigt, erfährt von Störungen künftig als Erster – und nicht als Letzter.

* = Affiliate Link (raspi-config.de ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.)


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