Raspberry Pi Pico 2

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RASPBERRY PI PICO 2


Raspberry Pi Pico 2 Mikrocontroller

Der Raspberry Pi Pico 2 im Detail

Kurz gesagt: Was kann der Raspberry Pi Pico 2 besser als der Pico 1?

Die Kurzfassung:

  • Neuer Chip, gleiches Board: Im Raspberry Pi Pico 2 arbeitet der RP2350 statt des RP2040. Pinbelegung, Bauform und BOOTSEL-Knopf sind identisch geblieben – ein Pico 1 lässt sich fast immer eins zu eins ersetzen.
  • Doppelter Arbeitsspeicher: 520 kB SRAM statt 264 kB, dazu 4 MB statt 2 MB Flash auf dem Board. Für MicroPython ist das der spürbarste Sprung.
  • Zwei Architekturen in einem Chip: Wahlweise zwei Arm-Cortex-M33-Kerne oder zwei offene Hazard3-Kerne mit RISC-V-Befehlssatz – umgeschaltet wird beim Start, je nach geladener Firmware.
  • Mehr Programmable I/O: Drei PIO-Blöcke mit zusammen zwölf State Machines statt acht. Damit lassen sich eigene Protokolle direkt in Hardware nachbilden.
  • Sicherheitstechnik an Bord: Arm TrustZone, signierter Start, 8 kB OTP-Speicher, SHA-256-Beschleuniger und ein echter Zufallszahlengenerator – Dinge, die es in dieser Preisklasse selten gibt.
  • Preis fast unverändert: Offiziell 5 US-Dollar für den Pico 2 und 7 US-Dollar für die W-Variante; im deutschen Handel landet man je nach Anbieter bei etwa 6 bis 12 Euro.

RP2350 im Detail – was im Raspberry Pi Pico 2 wirklich steckt

Der Raspberry Pi Pico 2 ist nach außen ein unauffälliges Update: gleiche Platine, gleiche 26 nutzbaren GPIO-Pins, gleicher Micro-USB-Anschluss, gleiche LED an GP25. Der Unterschied sitzt in der Mitte des Boards. Dort löst der RP2350 den RP2040 ab – und der ist deutlich mehr als eine schnellere Version des Vorgängers. Wer sich für die Grundlagen der Plattform interessiert, findet sie in der Einführung zum Raspberry Pi Pico; dieser Text geht dem neuen Chip auf den Grund.

Der RP2350 taktet mit bis zu 150 MHz statt 133 MHz – das ist der kleinste der Fortschritte. Wichtiger ist der Speicher: 520 kB SRAM in zehn unabhängigen Bänken, auf die Prozessorkerne, DMA-Controller und Peripherie gleichzeitig zugreifen können. Der DMA-Controller wuchs von zwölf auf sechzehn Kanäle, die interne Bus-Struktur ist auf AHB5 umgestellt, und ein Hardware-Dividierer fehlt – schlicht weil die neuen Kerne die Division selbst beherrschen. Auf dem Board sitzen außerdem 4 MB Flash statt 2 MB, und über die QMI-Schnittstelle lässt sich externes PSRAM anbinden, wenn ein Projekt tatsächlich mehr Arbeitsspeicher braucht.

Bemerkenswert ist die Stromversorgung. Der RP2040 erzeugte seine Kernspannung über einen einfachen Linearregler, der RP2350 nutzt einen eingebauten Abwärtswandler – und kann für Schlafphasen auf einen sparsamen LDO-Modus umschalten. Für Projekte am Akku ist das der eigentliche Gewinn: Der Chip verbrennt in aktiven Phasen weniger Energie und schläft anschließend tiefer. Zusammen mit einer Echtzeituhr ergeben sich damit Messstationen, die monatelang ohne Steckdose auskommen.

Der Chip selbst gibt es in vier Ausführungen: RP2350A im 7 × 7 mm großen QFN-60-Gehäuse mit 30 GPIO, RP2350B im QFN-80-Gehäuse mit 48 GPIO und acht Analogeingängen, dazu RP2354A und RP2354B mit zusätzlich 2 MB gestapeltem Flash im Chipgehäuse. Auf dem Pico 2 sitzt der RP2350A. Der Name folgt übrigens einem System: RP für Raspberry-Pi-Silizium, 2 für zwei Kerne, 3 für den Cortex-M33, 5 als logarithmische Angabe der 520 kB RAM und die letzte Ziffer für den eingebauten Flash-Speicher.

Arm oder RISC-V? Die Architekturumschaltung erklärt

Die eigentliche Kuriosität des RP2350: Der Chip enthält vier Prozessorkerne, von denen immer nur zwei laufen. Zwei davon sind Arm Cortex-M33 mit Fließkommaeinheit und DSP-Befehlen, die anderen beiden sind Hazard3-Kerne – ein offenes RISC-V-Design. Beide Paare hängen am selben Bus und an derselben Peripherie.

Umgeschaltet wird nicht per Jumper, sondern beim Start: Das Boot-ROM erkennt selbst, für welche Architektur die geladene Firmware übersetzt wurde, und startet den Chip im passenden Modus neu. Aus Anwendersicht heißt das schlicht, dass man eine andere UF2-Datei aufspielt. Bis auf einen Teil der Sicherheitsfunktionen und den Beschleuniger für doppelt genaue Fließkommazahlen steht in beiden Modi der komplette Funktionsumfang zur Verfügung.

Praktisch relevant ist das heute für zwei Gruppen. Wer Programmierung auf Maschinenebene lernen oder eine offene Befehlssatzarchitektur ausprobieren will, bekommt hier das mit Abstand billigste Labor – ein vollwertiges RISC-V-System für den Preis eines Mittagessens. Und wer schlicht Projekte bauen will, ignoriert den Schalter komplett und bleibt beim Arm-Modus, für den es die meisten fertigen Bibliotheken gibt.

PIO, HSTX und Sicherheit – die Sonderausstattung des Chips

Das Alleinstellungsmerkmal der Pico-Familie heißt PIO, Programmable I/O. Dahinter stecken winzige, eigenständige Zustandsautomaten, die unabhängig von den Hauptkernen Pins mit exaktem Timing schalten. Damit lassen sich Protokolle nachbauen, für die es keinen fest verdrahteten Baustein gibt: WS2812-LED-Streifen, DVI-Videoausgabe, VGA, SD-Kartenzugriff, exotische Sensorbusse. Der RP2350 bringt drei PIO-Blöcke mit je vier State Machines mit, insgesamt also zwölf statt der acht des Vorgängers – genug, um LED-Ansteuerung, ein Display und einen Spezialsensor gleichzeitig laufen zu lassen.

Neu hinzugekommen ist die HSTX-Einheit, ein Ausgang für schnelle digitale Datenströme. Ihr Hauptzweck ist Video: Bildausgabe muss damit nicht mehr die PIO-Blöcke und die Rechenzeit der Kerne belegen. Auf dem Pico 2 ist HSTX zwar nur eingeschränkt herausgeführt, weil das Board die Pinbelegung des Pico 1 beibehält, in eigenen Platinen mit RP2350B spielt sie ihre Stärken aber aus.

Der dritte Block ist die Sicherheitsarchitektur, und die ist für einen Mikrocontroller dieser Preisklasse ungewöhnlich komplett: Arm TrustZone für Cortex-M trennt vertrauenswürdigen von normalem Code, 8 kB einmalig programmierbarer OTP-Speicher nehmen Schlüssel auf, ein SHA-256-Beschleuniger und ein echter Hardware-Zufallsgenerator unterstützen signierten Start, und der Code im externen Flash lässt sich verschlüsselt ablegen. Für Bastelprojekte ist das Beiwerk – für kleine Serien, die man nicht kopiert sehen will, ist es der Grund, überhaupt zum RP2350 zu greifen.

Raspberry Pi Pico 2 einrichten – Schritt für Schritt

  1. Firmware herunterladen: Auf micropython.org die UF2-Datei für das genaue Board holen – RPI_PICO2 für die Variante ohne Funk, RPI_PICO2_W für die WLAN-Version. Beide Boards haben eigene Dateien; eine Pico-1-Firmware startet auf dem Pico 2 nicht.
  2. In den Bootmodus versetzen: Den BOOTSEL-Knopf gedrückt halten und dabei das USB-Kabel einstecken. Der Pico 2 meldet sich am Rechner als Wechseldatenträger mit dem Namen RP2350.
  3. Firmware aufspielen: Die UF2-Datei auf dieses Laufwerk ziehen. Der Pico startet von selbst neu und verschwindet dabei aus dem Dateimanager – das ist das Zeichen, dass es geklappt hat.
  4. Thonny verbinden: Die Einsteiger-Entwicklungsumgebung installieren und unten rechts MicroPython (Raspberry Pi Pico) samt passendem Port wählen. Im unteren Fenster erscheint die REPL – dort lässt sich Code direkt ausprobieren.
  5. Erstes Programm: from machine import Pin
    led = Pin("LED", Pin.OUT)
    led.toggle()
    Die Bordkontrolle sollte umschalten. Beim Pico 2 W sitzt die LED am WLAN-Chip, weshalb der Name "LED" statt der Pin-Nummer nötig ist.
  6. Dauerhaft speichern: Damit ein Programm nach dem Einstecken von allein startet, muss es unter dem Namen main.py auf dem Pico selbst liegen – nicht auf dem PC. Thonny fragt beim Speichern nach dem Ziel.
  7. WLAN einrichten (nur Pico 2 W): Über das Modul network verbindet sich das Board mit dem Heimnetz; anschließend lassen sich Messwerte per MQTT an Home Assistant schicken.
  8. RISC-V ausprobieren: Auf der Download-Seite gibt es für den Pico 2 einen zweiten Firmware-Block mit der Bezeichnung RISC-V CPU mode. Diese Datei aufspielen, und derselbe Python-Code läuft auf den offenen Hazard3-Kernen.

Pico 2, Pico 1 und ESP32 im Vergleich

MerkmalPico 2 / Pico 2 WPico / Pico WESP32
ChipRP2350RP2040Xtensa bzw. RISC-V
Kerne2× Cortex-M33 oder 2× RISC-V2× Cortex-M0+1–2 Kerne
Taktbis 150 MHzbis 133 MHzbis 240 MHz
SRAM520 kB264 kBetwa 320–520 kB
Flash auf dem Board4 MB2 MB4–16 MB
PIO-State-Machines128
Funknur W-Variante (WLAN, BT 5.2)nur W-Varianteimmer, C6 auch Thread und Zigbee
SicherheitTrustZone, OTP, signierter StartkeineSecure Boot, Flash-Verschlüsselung
Stärkeexaktes Timing, saubere Dokumentationgünstig und ausgereiftFunk und Smart Home

Die Faustregel bleibt einfach: Geht es um präzise Hardware-Steuerung, um Signale, LED-Streifen oder Motoren, ist der Pico 2 das elegantere Werkzeug. Geht es dagegen um Funk-Sensorik fürs Smart Home, spielt der ESP32 seine Stärken aus – vor allem, weil ESPHome dort ganze Projekte auf wenige Zeilen Konfiguration eindampft. Und wenn ein Betriebssystem, eine Datenbank oder ein Webserver ins Spiel kommt, ist ohnehin ein richtiger Raspberry Pi gefragt; der ausführliche Vergleich steht im Beitrag Arduino gegen Raspberry Pi.

Typische Projekte mit dem Raspberry Pi Pico 2

Der Pico 2 spielt seine Stärken überall dort aus, wo etwas sofort und zuverlässig reagieren muss. Ein Linux-System braucht Sekunden zum Starten und kann Aufgaben verschieben, wenn gerade ein Update läuft. Ein Mikrocontroller läuft nach dem Einstecken in Millisekunden los und hält sein Timing auf die Mikrosekunde genau.

  • Messstationen am Akku: Temperatur, Luftfeuchte und CO2 erfassen, Werte per WLAN weitergeben und zwischendurch schlafen. Wie die Sensoren verdrahtet werden, zeigt der Beitrag zu Sensoren am Raspberry Pi – am Pico gilt dieselbe Verkabelung.
  • LED-Installationen: Adressierbare Streifen verlangen ein Timing im Nanosekundenbereich. Genau dafür sind die PIO-Blöcke gemacht; das Ergebnis flackert nicht, auch wenn nebenher gerechnet wird.
  • Motor- und Servosteuerung: Mit 16 PWM-Kanälen lassen sich Servos und Fahrregler sauber ansteuern, ohne dass ein Betriebssystem dazwischenfunkt.
  • Eigene Eingabegeräte: Dank USB-Controller meldet sich der Pico 2 als Tastatur, Maus oder Gamepad am Rechner an – die Grundlage für Makropads und Arcade-Bedienfelder.
  • Schaltaufgaben im Haus: In Verbindung mit einem Relaismodul wird aus dem Board ein Aktor, der auch dann weiterarbeitet, wenn der Server im Keller gerade neu startet.
  • Datenlogger und Zeitsteuerung: Mit Echtzeituhr und SD-Karte protokolliert der Pico 2 monatelang autark; die ausgelesenen Daten wertet man später am großen Pi aus.

Fehler und Stolpersteine beim Pico 2

  • Falsche Firmware: Der häufigste Anfängerfehler. Pico 1, Pico 2 und Pico 2 W brauchen jeweils eigene UF2-Dateien. Lädt man die falsche, bleibt das Board stumm – hilft nur: BOOTSEL halten, neu einstecken, richtige Datei ziehen.
  • Programm läuft nicht von allein: Nur eine Datei mit dem Namen main.py im Speicher des Pico startet automatisch. Ein in Thonny geöffnetes Skript auf dem PC läuft nur, solange die Verbindung besteht.
  • Interne Pull-down-Widerstände: Für den RP2350 ist ein Erratum dokumentiert, bei dem Eingänge mit aktiviertem internem Pull-down auf einem Zwischenpegel hängen bleiben können, statt sauber auf null zu fallen. Wo es auf verlässliche Taster-Eingänge ankommt, gehört ein externer Widerstand an die Leitung.
  • Spannungspegel beachten: Die GPIO-Pins arbeiten mit 3,3 Volt. Fünf-Volt-Signale zerstören sie – so wie beim großen Pi auch, siehe GPIO-Pinbelegung.
  • Speicher ist endlich: 520 kB klingen nach viel, sind für MicroPython aber schnell aufgebraucht. Große Bibliotheken oder Bilddaten sprengen den Rahmen; dann hilft nur der Umstieg auf C oder das Auslagern in den Flash.
  • Der Pico ist kein kleiner Raspberry Pi: Kein Linux, kein Netzwerkdateisystem, kein Docker. Wer eine Weboberfläche oder eine Datenbank braucht, ist auf dem falschen Board.
  • Serielle Ausgabe verschwindet: Läuft ein Programm in einer Endlosschleife, lässt sich der Pico manchmal nicht mehr ansprechen. Ein Strg + C in Thonny bricht ab; hilft das nicht, muss die Firmware neu aufgespielt werden.

Häufige Fragen zum Raspberry Pi Pico 2

Lohnt sich der Umstieg vom Pico 1?
Für laufende Projekte selten – der RP2040 wird weiter produziert und ist bestens versorgt. Für alles Neue lohnt er fast immer: gleicher Preisrahmen, doppelter Speicher, mehr Reserven.

Pico 2 oder Pico 2 W?
Die zwei bis drei Euro Aufpreis für WLAN und Bluetooth zahlen sich meistens aus. Ein Sensor, der seine Werte nicht weitergeben kann, ist nur ein halbes Projekt.

Passen Erweiterungen vom Pico 1 auf den Pico 2?
Ja. Bauform und Pinbelegung sind identisch, HATs und Trägerplatinen passen weiter. Nur die Software muss für den RP2350 neu übersetzt oder aktualisiert werden.

Was bringt mir RISC-V praktisch?
Im Alltag nichts, was der Arm-Modus nicht auch könnte. Der Wert liegt im Lernen und in der Unabhängigkeit von einer lizenzierten Architektur – für ein paar Euro bekommt man ein vollständiges RISC-V-System auf den Schreibtisch.

Kann ich den Pico 2 in C programmieren?
Ja, über das offizielle Pico-SDK. MicroPython ist der schnellere Einstieg, C holt bei zeitkritischen Aufgaben und knappem Speicher mehr heraus.

Wie viel Strom braucht der Pico 2?
Im Betrieb bewegt er sich im Bereich einiger Dutzend Milliampere, in den Schlafmodi geht es hinunter bis in den Mikroampere-Bereich. Zum Vergleich: Ein Zero 2 W zieht im Leerlauf bereits ein Vielfaches davon.

Brauche ich ein Debug-Probe-Zubehör?
Für MicroPython nicht – dort genügt das USB-Kabel. Wer in C entwickelt und Haltepunkte setzen will, ist mit dem Debug-Anschluss und einem zweiten Pico oder der offiziellen Probe deutlich schneller unterwegs.

Fazit

Der Raspberry Pi Pico 2 ist eines der wenigen Nachfolge-Produkte, bei denen der Aufpreis kaum spürbar und der Gewinn sofort messbar ist. Unsere klare Empfehlung lautet deshalb: Bei neuen Projekten grundsätzlich zum Pico 2 W greifen – doppelter Speicher, vier statt zwei Megabyte Flash, zwölf PIO-State-Machines und Funk an Bord kosten kaum mehr als ein Pico 1 ohne all das. Die RISC-V-Kerne sind dabei ein hübscher Bonus, aber kein Kaufgrund; wer sie nie benutzt, verpasst nichts. Der eigentliche Grund für den Pico 2 ist unspektakulärer und wichtiger: Er nimmt einem die Sorge, dass das Projekt am Speicher scheitert. Wer nur funken und ins Smart Home melden will, fährt mit einem ESP32 günstiger. Wer Timing, saubere Dokumentation und ein Board sucht, das in zehn Jahren noch lieferbar ist, greift zum Pico 2 – und lässt den großen Raspberry Pi 5 für die Aufgaben übrig, die wirklich ein Betriebssystem brauchen.

* = Affiliate Link (raspi-config.de ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.)


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