Raspberry Pi Befehle

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RASPBERRY PI BEFEHLE


Terminal-Befehle: Tastatur vor Monitor

Das Terminal ist das mächtigste Werkzeug des Pi

Kurz gesagt: Wie bekommt der Raspberry Pi eine feste IP-Adresse?

Eine statische IP für den Raspberry Pi lässt sich auf zwei Wegen einrichten – und die offizielle Dokumentation von Raspberry Pi empfiehlt davon ausdrücklich nur einen. Die Kurzfassung:

  • Der empfohlene Weg – Reservierung im Router: Der Pi bleibt auf „Adresse automatisch beziehen", der Router weist ihm anhand seiner MAC-Adresse aber jedes Mal dieselbe Nummer zu. Zwei Klicks, keine Konfigurationsdatei, keine Konflikte.
  • Der direkte Weg – feste Adresse am Gerät: Raspberry Pi OS regelt das Netzwerk seit Bookworm und unverändert in der aktuellen Trixie-Generation über den NetworkManager. Zuständig sind sudo nmtui im Textmenü oder ein einzelner nmcli-Befehl.
  • Ausgedient hat /etc/dhcpcd.conf: Ältere Anleitungen im Netz beziehen sich auf Bullseye und früher. Auf heutigen Systemen ändert diese Datei nichts mehr – sie ist meist gar nicht vorhanden.
  • Die wichtigste Regel: Die gewählte Adresse muss außerhalb des DHCP-Bereichs des Routers liegen. Sonst vergibt der Router sie irgendwann ein zweites Mal, und beide Geräte fallen sporadisch aus.
  • Wofür man sie überhaupt braucht: Für Pi-hole als DNS-Server, für NAS-Freigaben, für Portfreigaben und für jede Zentrale, die andere Geräte von außen ansprechen.
  • Wann sie unnötig ist: Bei Bastel-Pis, die man ohnehin nur per raspberrypi.local anspricht – mDNS findet den Pi auch dann noch, wenn sich seine Nummer geändert hat.

Warum ein Raspberry Pi als Server eine statische IP braucht

Im Normalfall verteilt der Router die Adressen selbst, per DHCP – und zwar nur geliehen. Jede Zuweisung hat eine Laufzeit, typischerweise wenige Stunden bis zehn Tage. Meldet sich das Gerät rechtzeitig zurück, verlängert der Router die Leihe. War der Pi dagegen zwischenzeitlich stromlos oder hat der Router neu gestartet, kann beim nächsten Mal eine andere Nummer herauskommen. Für ein Notebook ist das folgenlos, für einen Dienst ist es fatal.

Die klassischen Ausfälle sehen so aus: Ein Pi-hole ist im Router als DNS-Server hinterlegt – wechselt seine Adresse, hat die ganze Wohnung kein Internet mehr, und zwar auf eine besonders verwirrende Art: Der Router ist erreichbar, Webseiten laden trotzdem nicht. Eine Samba-Freigabe, die als Netzlaufwerk eingebunden war, verschwindet aus dem Explorer. Eine Portfreigabe zeigt plötzlich auf den Drucker statt auf den Webserver.

Daraus folgt eine brauchbare Faustregel: Jeder Pi, der einen Dienst für andere Geräte bereitstellt, braucht eine verlässliche Adresse. Das betrifft Home Assistant, Werbeblocker, Dateiserver, Kameras, Docker-Hosts und alles, was ein anderes Gerät aktiv anspricht. Alle übrigen Pis – der Bastelrechner am Schreibtisch, der Zeitraffer im Garten – kommen mit dem automatischen Verfahren bestens zurecht.

Ein Missverständnis lohnt die Klarstellung: Eine feste Adresse macht den Pi weder schneller noch sicherer. Sie sorgt lediglich dafür, dass er unter derselben Nummer erreichbar bleibt. Wer den Pi nur selbst per SSH oder Browser aufruft, kommt mit dem Hostnamen genauso weit und spart sich den ganzen Aufwand.

Statische IP über den Router reservieren – Schritt für Schritt

Diesen Weg nennt die offizielle Raspberry-Pi-Dokumentation als Empfehlung, und zwar mit dem Argument, dass eine Fehlkonfiguration am Gerät leicht die Erreichbarkeit kostet. Im Router dagegen bleibt die gesamte Adressverwaltung an einer Stelle:

  1. MAC-Adresse ermitteln: Am Pi ip a eingeben – hinter link/ether steht sie im Format aa:bb:cc:11:22:33. Wichtig: Kabel und Funk haben getrennte MAC-Adressen, ein Pi im WLAN taucht also unter einer anderen Kennung auf als derselbe Pi am Kabel.
  2. Hostnamen vergeben, bevor es losgeht: Ein Pi, der pihole oder homeassistant heißt, ist in der Geräteliste des Routers sofort zu finden. Der Name lässt sich im Raspberry Pi Imager beim Beschreiben der Karte setzen oder später über raspi-config unter System Options → Hostname ändern.
  3. In der FritzBox: Heimnetz → Netzwerk → den Pi in der Liste anklicken → Häkchen bei „Diesem Netzwerkgerät immer die gleiche IPv4-Adresse zuweisen" setzen und übernehmen. Wer eine bestimmte Nummer will, trägt sie im selben Dialog ein.
  4. In anderen Routern: Der Punkt heißt je nach Hersteller „DHCP-Reservierung", „Statische Zuweisung", „Address Reservation" oder „DHCP Static Lease" und sitzt in den LAN- beziehungsweise DHCP-Einstellungen. Bei Speedport, Vodafone-Station, TP-Link und AVM ist das Vorgehen im Kern identisch.
  5. Pi neu starten: Erst danach fordert er eine Adresse neu an und bekommt die reservierte. Ohne Neustart behält er die alte bis zum Ablauf der Leihfrist.
  6. Kontrollieren: hostname -I zeigt die aktive Adresse. Sie sollte jetzt der Reservierung entsprechen und auch nach dem nächsten Neustart identisch bleiben.
  7. Wer beides nutzt – Kabel und WLAN: Für jede Schnittstelle eine eigene Reservierung anlegen. Sonst wechselt der Pi beim Umstecken auf eine unbekannte Adresse.

Feste IP direkt auf dem Raspberry Pi einrichten – mit nmtui und nmcli

Manchmal ist der Router nicht zugänglich: im Büro, in der Ferienwohnung, im Netz des Vermieters. Dann führt der Weg über den NetworkManager auf dem Pi selbst. Zwei Werkzeuge stehen bereit – ein Textmenü und ein Einzeiler.

  1. Freie Adresse aussuchen: Zuerst den DHCP-Bereich des Routers nachschlagen (bei der FritzBox meist .20 bis .200). Die feste Adresse gehört außerhalb davon, also etwa auf .10 oder .250 – und sie muss im selben Subnetz liegen wie der Router.
  2. Verbindungsnamen herausfinden: nmcli con show listet alle Profile. Am Kabel heißt das Profil ab Werk Wired connection 1, im WLAN trägt es den Namen des Funknetzes.
  3. Bequem per Textmenü: sudo nmtui aufrufen → „Edit a connection" → Profil wählen → bei IPv4 CONFIGURATION von Automatic auf Manual umstellen → Adresse mit Präfix (z. B. 192.168.178.50/24), Gateway (die Router-Adresse) und DNS-Server eintragen → OK → zurück im Hauptmenü „Activate a connection" die Verbindung einmal aus- und wieder einschalten.
  4. Oder in zwei Zeilen auf der Konsole:
    sudo nmcli con mod "Wired connection 1" ipv4.addresses 192.168.178.50/24 ipv4.gateway 192.168.178.1 ipv4.dns "192.168.178.1" ipv4.method manual
    sudo nmcli con up "Wired connection 1"
  5. Im WLAN identisch: Nur den Namen des Funkprofils statt Wired connection 1 einsetzen. Die Grundeinrichtung des Funknetzes steht in der WLAN-Anleitung.
  6. Prüfen, und zwar in drei Stufen: ip a zeigt die neue Adresse, ping 192.168.178.1 testet den Weg zum Router, ping 1.1.1.1 das Internet und ping raspi-config.de zusätzlich die Namensauflösung. Erst wenn alle vier stimmen, ist die Sache erledigt.
  7. Rückweg offenhalten: Zurück auf automatisch geht es mit sudo nmcli con mod "Wired connection 1" ipv4.method auto und einem erneuten con up. Diesen Befehl sollte man kennen, bevor man den ersten anwendet.

Router-Reservierung oder feste Adresse am Gerät?

Beide Verfahren führen zum selben Ergebnis – eine Nummer, die sich nicht mehr ändert. Sie unterscheiden sich darin, wo dieses Wissen liegt und was passiert, wenn etwas schiefgeht:

KriteriumReservierung im RouterFeste IP auf dem Pi
AufwandZwei Klicks in der WeboberflächeMenü oder Befehl auf dem Pi
ÜbersichtAlle Adressen an einer StelleAuf jedes Gerät verteilt
KonfliktrisikoPraktisch null, der Router verwaltet selbstHoch, wenn der DHCP-Bereich nicht beachtet wird
Umzug in ein anderes NetzPi funktioniert sofort weiterPi ist zunächst nicht erreichbar
Ohne Router-ZugangNicht möglichDer einzige Weg
Sichtbarkeit im FehlerfallAdresse steht in der GerätelisteNur am Gerät nachvollziehbar

Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Ein Pi mit fest eingetragener Adresse ist für den Router ein Gerät ohne DHCP-Anfrage – in mancher Geräteliste taucht er dadurch gar nicht oder nur als anonymer Eintrag auf. Wer Jahre später das Netz aufräumt, sucht dann lange nach dem Kästchen, das eine Adresse belegt, ohne sich je gemeldet zu haben.

Ein Adressplan fürs Heimnetz – so bleibt es übersichtlich

Sobald mehr als zwei oder drei Geräte eine feste Nummer bekommen, lohnt sich ein wenig Ordnung. Ein Schema, das sich in vielen Heimnetzen bewährt hat, teilt den Adressraum in Blöcke – die exakten Zahlen sind beliebig, entscheidend ist, dass es überhaupt eine Regel gibt:

  • .1 bis .9 – Infrastruktur: Router, Switch, Access Points. Diese Adressen sind meist ohnehin belegt und werden nicht angetastet.
  • .10 bis .19 – Server und Zentralen: Der Pi mit Home Assistant, der Werbeblocker, das NAS. Alles, was dauerhaft läuft und von anderen angesprochen wird.
  • .20 bis .200 – der DHCP-Bereich: Hier vergibt ausschließlich der Router. Handys, Notebooks, Fernseher, Gäste. Feste Adressen haben hier nichts verloren – Reservierungen dagegen schon, die passen sauber hinein.
  • .201 bis .254 – Sonderfälle: Drucker, Kameras, Testgeräte, alles mit fest eingetragener Adresse.

Zwei Gewohnheiten ersparen später viel Suchen. Erstens: Jeder Pi bekommt einen sprechenden Hostnamen, nicht das voreingestellte raspberrypi. In der Geräteliste des Routers steht dann pihole neben zigbee und nas statt dreimal derselbe Name mit angehängter Ziffer. Zweitens: Die Zuordnung einmal aufschreiben – eine Textdatei genügt. In der Praxis scheitert die Fehlersuche im Heimnetz selten an fehlendem Wissen, sondern daran, dass niemand mehr weiß, welches Gerät sich hinter .12 verbirgt.

Wer den Pi zusätzlich von unterwegs erreichen will, sollte übrigens nicht bei der lokalen Adresse stehen bleiben: Ein WireGuard-VPN oder Tailscale ist dafür die sichere Lösung, offene Portfreigaben sind es nicht.

Fehler und Stolpersteine bei der statischen IP

  • Adresse mitten im DHCP-Bereich: Der mit Abstand häufigste Fehler. Anfangs funktioniert alles, doch irgendwann vergibt der Router dieselbe Nummer an ein Handy – und dann fallen beide Geräte sporadisch aus. Solche Störungen sind besonders unangenehm, weil sie nur gelegentlich auftreten.
  • Beides gleichzeitig eingerichtet: Feste Adresse auf dem Pi und eine Reservierung im Router, jeweils mit unterschiedlichen Nummern. Das Gerät nimmt die lokale Einstellung, der Router glaubt an seine – und die Portfreigabe zeigt ins Leere.
  • Falsches oder fehlendes Gateway: Ohne die Router-Adresse als Gateway läuft das lokale Netz, aber kein Internet. Symptom: ping 192.168.178.1 antwortet, ping 1.1.1.1 nicht.
  • DNS vergessen: Ohne DNS-Server funktionieren Zahlen, aber keine Namen – auch apt update schlägt dann fehl. Wer Pi-hole auf demselben Gerät betreibt, darf beim Einrichten nicht den Pi selbst als DNS eintragen, solange der Dienst noch gar nicht läuft.
  • Aus der Ferne genau die Verbindung geändert, über die man verbunden ist: Der Befehl geht durch, die Sitzung bricht ab, der Pi antwortet unter der neuen Adresse nicht wie erwartet. Deshalb solche Änderungen möglichst am Monitor, über die zweite Schnittstelle oder mit einem Konsolenkabel als Rückversicherung durchführen.
  • Netzwechsel vergessen: Ein Pi mit fester Adresse aus dem alten Netz taucht in einem fremden Router überhaupt nicht auf. Dann hilft nur Monitor, Konsolenkabel oder das Zurücksetzen der Konfiguration mit der Karte am PC – siehe auch die Hinweise, wenn der Pi gar nicht startet.
  • Anleitung mit dhcpcd.conf befolgt: Die Änderungen bleiben wirkungslos, weil der NetworkManager zuständig ist. Wer die Datei anlegt, wo sie nicht existiert, wundert sich anschließend über gar keine Reaktion.

Häufige Fragen zur statischen IP am Raspberry Pi

Was ist besser: Reservierung im Router oder feste IP auf dem Pi?
Die Reservierung im Router – so sieht es auch die offizielle Raspberry-Pi-Dokumentation. Sie hält die Adressverwaltung zentral, schließt Konflikte aus und überlebt einen Umzug des Pi in ein anderes Netz. Die feste Adresse am Gerät bleibt für die Fälle, in denen kein Router-Zugang besteht.

Welche Adresse soll ich nehmen?
Eine im selben Subnetz wie der Router, aber außerhalb des DHCP-Bereichs. Bei einer FritzBox mit Werkseinstellung sind typischerweise .10 bis .19 sowie .201 bis .254 frei. Ob eine Adresse wirklich frei ist, verrät ein ping darauf – antwortet niemand, ist die Nummer verfügbar.

Warum funktioniert die dhcpcd.conf nicht mehr?
Seit Raspberry Pi OS Bookworm übernimmt der NetworkManager die Netzwerkkonfiguration, in der aktuellen Trixie-Generation ist das unverändert. Ältere Anleitungen beziehen sich auf Bullseye und früher, als noch dhcpcd zuständig war.

Brauche ich eine feste Adresse für Home Assistant?
Ja, dringend. Die Smart-Home-Zentrale wird von Apps, Sprachassistenten, Kameras und anderen Diensten aktiv angesprochen. Wechselt ihre Adresse, brechen diese Verbindungen reihenweise ab.

Kann ich statt der Adresse einfach den Hostnamen verwenden?
Für den eigenen Zugriff per SSH oder im Browser meist ja, raspberrypi.local funktioniert dank mDNS. Router-Einstellungen wie Portfreigaben, DNS-Einträge oder feste Routen brauchen dagegen zwingend eine echte IP-Adresse.

Wie finde ich die aktuelle Adresse überhaupt heraus?
Am Pi mit hostname -I, im Router über die Geräteliste oder per Netzwerk-Scan vom PC aus. Alle Wege im Detail stehen in der Anleitung zur IP-Adresse des Raspberry Pi.

Was mache ich, wenn ich mich ausgesperrt habe?
Monitor und Tastatur anschließen und die Einstellung zurücknehmen, oder die Speicherkarte am PC einlesen. Wer weder das eine noch das andere kann, kommt mit einem Konsolenkabel immer an das System – es arbeitet völlig unabhängig vom Netzwerk.

Fazit

Eine statische IP ist die Grundlage jedes ernsthaften Raspberry Pi-Servers – ohne sie fällt irgendwann genau der Dienst aus, der eigentlich unauffällig durchlaufen sollte. Unsere klare Empfehlung geht dabei gegen die Mehrheit der Anleitungen im Netz, deckt sich aber mit der offiziellen Dokumentation: Vergib die feste Adresse im Router, nicht auf dem Pi. Zwei Klicks in der Weboberfläche, keine Konfigurationsdatei, kein Risiko, sich auszusperren – und wenn das Board eines Tages umzieht, funktioniert es im neuen Netz sofort. Der Weg über nmtui und nmcli bleibt die richtige Wahl für Netze, deren Router einem nicht gehört, und für Server, die auch ohne DHCP-Dienst starten müssen. Wer beides kombiniert, handelt sich dagegen nur Ärger ein: Ein Gerät, eine Adresse, eine Stelle, an der sie verwaltet wird.

* = Affiliate Link (raspi-config.de ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.)


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